Newsletter? Meinst du wirklich? Die liest doch keiner mehr.
Dieses Vorurteil begegnet mir im beruflichen Alltag regelmäßig.
Kennzahlen zeugen weiterhin davon, dass E-Mail-Marketing immer noch eine Berechtigung hat. Was die Zahlen aber nicht zeigen, sind die Menschen auf der anderen Seite der Empfangsleitung:
Ihre Meinung und Sicht.
Ihre Wünsche, was im Postfach landen soll und was nicht.
Und die Gründe, warum sie einerseits auf den Abmelde-Button klicken und sich andererseits freiwillig in eine Newsletter-Liste eintragen.
Mit der Umfrage “Liest du noch Newsletter” möchte ich daher etwas Licht ins Dunkel bringen. 83 Menschen sind dem Aufruf gefolgt und haben sich beteiligt. Was sie mir geantwortet haben, darum geht es in diesem Artikel.
Umfrage-Design
Die Umfrage umfasste 20 Fragen und wurde anonym durchgeführt. Neben vorgegebenen Antwortmöglichkeiten waren auch einige Freitext-Felder eingefügt, um ein möglichst breites Stimmungsbild einfangen zu können und um Ergebnisse nicht zu forcieren.
Die Teilnehmer wurden hauptsächlich über persönliche Kontakte, berufliche Netzwerke und Social Media akquiriert, die Umfrage ist daher nicht repräsentativ.
Als Umfragetool kam tally.so zum Einsatz.
Insgesamt beteiligten sich 83 Menschen an der Umfrage. Jeder zweite Besuch der Einstiegsseite führte auch zu einem abgesendeten Formular.
Hier stehen die Ergebnisse auch als PDF zur Verfügung.
Befangenheit zum Thema
Da ich selbst einen Newsletter verschicke und Dienstleistungen zum Thema E-Mail-Marketing anbiete, bin ich bei dem Thema voreingenommen.
Trotzdem habe ich versucht, die Umfrage nach bestem Wissen und Gewissen und vor allem ergebnisoffen anzugehen und Antworten nicht in eine Richtung zu drücken, die lediglich meine Dienstleistungen rechtfertigen soll.
Mein Interesse und Bestreben war es, ein wirkliches Stimmungsbild einzufangen, das gleichermaßen Kritik und Bestätigung für das Medium Newsletter beinhalten darf. Ich hoffe, es ist mir gelungen.
Thesen vor der Umfrage
Wie eingangs erwähnt, bin ich im beruflichen Alltag immer wieder mit Vorurteilen gegenüber E-Mail-Marketing konfrontiert. Aus beruflicher Sicht kann und möchte ich dem widersprechen und bin der Meinung, dass Newsletter nach wie vor ihre Berechtigung haben.
Ich habe natürlich meine Vermutungen, warum diese Skepsis immer wieder auftaucht. Die daraus gespeisten Annahmen stelle ich den Ergebnissen voran, denn sie haben die Fragestellungen beeinflusst.
Bei der Präsentation der Ergebnisse beziehe ich mich dann immer wieder auf die Thesen, um zu prüfen, inwieweit sie mit den Ergebnissen aufrechterhalten oder entkräftet werden.
These 1: Mangelnde Relevanz
Newsletter sind nicht veraltet, sie sind nur allzu oft nicht relevant für die Empfänger. Ist das Thema, bzw. der Betreff, nicht auf Anhieb klar und macht deutlich, was zu erwarten ist und ob der Inhalt zu den eigenen Interessen passt, werden Newsletter ignoriert und auch schnell wieder abbestellt.
These 2: Versandhäufigkeit
Ein weiterer Knackpunkt ist die Versandhäufigkeit. Wenngleich Unternehmen vor allem aus dem Bereich Online Business auf Newsletter als Verkaufskanal schwören und Newsletter gar nicht oft genug rausgehen können: wenn zwei Faktoren zusammenkommen, mangelnde Relevanz kombiniert mit einer häufigen Versandfrequenz (wöchentlich und mehr), dann bleiben viele Menschen nicht im Verteiler oder lesen die Newsletter einfach nicht.
These 3: Freiwilligkeit
Niemand will Newsletter ungefragt bekommen. Werden Newsletter ohne Double-Opt-In verschickt, klicken die Finger auf Abmelden oder sogar den Spam-Button. An- und Abmeldeprozesse müssen transparent gestaltet sein, sonst ist Unmut nicht weit.
These 4: Kanal-Konkurrenz
Newsletter müssen sich den Kampf um Aufmerksamkeit mit viel mehr Kanälen teilen als früher, insbesondere seit dem Aufkommen von Messengern und Social Media. Daher hat ihre Bedeutung durchaus nachgelassen. Doch haben sie ihren Status als wichtiger Bestandteil im Marketing-Mix dadurch nicht verloren.
These 5: Newsletter sind eine Frage des Alters
Newsletter nehmen an Bedeutung ab, je jünger die Menschen sind, an die sie sich richten sollen. Wirklich relevant für Newsletter sind nur noch Menschen der Altersgruppen, die noch ohne Messenger groß geworden sind und E-Mails und Newsletter als selbstverständlichen Teil z.B ihrer Arbeitswelt kennengelernt haben oder weil sie dieses Medium früher genutzt haben, um mit Freunden/Familie über weite Entfernungen zu kommunizieren.
These 6: Zeitmangel geht zulasten von Newslettern
In der Hektik des Alltags fallen Newsletter als Informationskanal schneller hinten über als andere Kanäle.
Soweit die Vorüberlegungen. Kommen wir zu den Ergebnissen der Auswertung.
Die Menschen, die an der Umfrage teilgenommen haben
Da die Umfrage anonym durchgeführt wurde, sind nur ein paar statistische Kennzahlen zu den Menschen vorhanden, die teilgenommen haben.
Auffällig war, dass sich insbesondere Frauen zur Teilnahme eingeladen fühlten. Sie sind im Verhältnis von ca. 5:1 gegenüber den Männern vertreten. Die Antworten sind also sehr aus weiblicher Sicht geprägt.
Ebenso hat die Gruppe der selbständig Tätigen die Nase vorne.
Die Altersstruktur verteilt sich überproportional mit 55 Prozent auf die Altersgruppe von 40 bis 60 Jahre. Nur 20 Prozent der Teilnehmenden waren jünger als 40 Jahre, weitere 25 Prozent waren 60+ Jahre alt.

Werden Newsletter regelmäßig gelesen? Eine Frage des Alters
Die spannende Einstiegsfrage war, ob Newsletter überhaupt gelesen werden. Es gab drei Antworten:
- Ja, regelmäßig.
- Eher unregelmäßig.
- Selten oder nie.
Immerhin gut die Hälfte der Befragten gab hier an, regelmäßig Newsletter zu lesen, weitere 34 Prozent lesen sie zudem unregelmäßig. 16 Prozent gaben an, überhaupt keine oder selten Newsletter zu lesen. Die Mehrheit dieser dritten Gruppe kreuzten zudem an, dass sie sich noch nie für das Medium interessiert haben (61 Prozent).

Wenngleich die Zahlen aufgrund der geringen Teilnahme der jüngeren Altersgruppe nur eine Tendenz aufzeigen können, mit den vorliegenden Zahlen bestätigt sich meine These zum Thema Alter: Während die Menschen ab 40 Jahren entweder sehr überzeugt oder zumindest gelegentlich Newsletter lesen, war bei den unter 30-Jährigen kein einziger mehr so richtig überzeugt vom Medium Newsletter. Ein Teil liest sie zumindest noch gelegentlich, die übrigen selten oder nie. Die Geister schieden sich auch schon bei den 30 bis 39-Jährigen: die eine Hälfte liest sie noch regelmäßig, die andere nicht mehr.
Eine weitere Tendenz: Männer waren überwiegend bei den Antworten der unregelmäßigen oder selten bis nie Lesenden zu finden. Nur zwei gaben an, regelmäßig Newsletter zu lesen (neun unregelmäßig und fünf selten bis nie). Aufgrund der deutlich geringeren Teilnehmerzahlen sind diese Zahlen aber mit Zurückhaltung zu betrachten.
Zum Thema Alter erreichte mich eine Rückmeldung aus meinem persönlichen Umfeld.
Eine Teilnehmerin unterhielt sich mit einem 17-Jährigen über die Umfrage. Er hatte den Begriff Newsletter noch nie gehört und wusste nichts damit anzufangen. Eine E-Mail-Adresse ist für ihn nur die Eintrittskarte in die Welt von Social Media und zu anderen Apps und Anwendungen, für deren Login eine E-Mail-Adresse nötig ist.
Wie viele Newsletter werden abonniert und zumindest gelegentlich gelesen?
Wie viele Newsletter abonnieren die Menschen und wie oft lesen sie sie auch? Das waren die nächsten beiden Fragen, die nur von denen beantwortet wurden, die angegeben hatten, dass sie Newsletter regelmäßig oder zumindest unregelmäßig lesen.
61 Prozent von ihnen gaben an, dass sie mehrere Newsletter in der Woche lesen. Einen pro Woche schaffen 17 Prozent, die übrigen ein bis zwei im Monat (16 Prozent) oder auch weniger als einen im Monat (6 Prozent). Auf die Versandfrequenz geht die Umfrage noch genauer ein. Dazu gleich mehr.

Die Menge an abonnierten Newslettern, die zumindest gelegentlich gelesen werden, waren zu ca. ein Drittel verteilt auf 1 bis 3 Newsletter und 4 bis 6 Newsletter. Ein Fünftel hat 7 bis 10 aktive Abos und 17 Prozent der Teilnehmenden gaben an, mehr als 10 Newsletter zumindest gelegentlich zu lesen.
Eine Teilnehmerin der Umfrage schrieb dazu im Freifeld:
„Ein guter Newsletter stiehlt mir nicht die Zeit. Ein guter Newsletter kann auch mehrfach pro Woche kommen, wenn ich regelmäßig ein Benefit davon habe.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Das deutet darauf hin, dass an die Inhalte von Newslettern ein gewisser Anspruch besteht. Wird dieser erfüllt, stoßen Newsletter durchaus auf Akzeptanz. Ein erster Hinweis, dass an meiner Relevanz-These etwas dran ist. Doch was wollen Menschen lesen?
Welche Newsletter-Themen stoßen auf Interesse?
Eine Abfrage von Themen-Rubriken zeigt, dass vor allem berufliche Themen und Brancheninfos auf großes Interesse stoßen. Gut die Hälfte der Befragten kreuzte diese Option an (Mehrfachnennung war möglich). Damit erreicht man sogar die jüngeren Menschen mit immer noch 41 Prozent Zustimmung. Ganz besonders stark war das Interesse hier bei den 40- bis 59-Jährigen mit über 70 Prozent.
Ebenfalls Zustimmung von jeweils 40 Prozent, erhielten die Inhalte: Tipps & Erfahrungsberichte, exklusive Angebote & Rabatte, Termine, Events & Kultur sowie Weiterbildung. Produktvorstellung und Dienstleistungen landeten auf den letzten Plätzen.
Die Nase vorne hatten die jüngeren Teilnehmenden bei den Themen Termine, Events & Kultur sowie Hobby, Freizeit & Urlaub mit knapp 50 Prozent Zustimmung.

In einem Freifeld konnten weitere Themen ergänzt werden. Hier gab es einzelne Stimmen, die sich Inhalte zu Spiritualität, Zeitgeschichte, Umweltschutz und zu gesellschaftlichen/politischen Themen wünschten.
Für die Newsletter-Muffel gab es zudem das Antwort-Feld, dass sie keines der Themen auswählen möchten, weil sie gar keinen Newsletter wollen. 5 Personen machten auch von diesem Feld Gebrauch.
Warum abonnieren Menschen Newsletter?
Die Frage dazu lautete: Was würde dich am meisten dazu bewegen, einen Newsletter zu abonnieren? Hier ist die Antwort eindeutig: Das Thema ist für mich interessant. Dieser Aussage stimmten 86 Prozent der Befragten zu. Newsletter werden abonniert und gelesen, wenn der Inhalt zu den eigenen Interessen passt.
Hier dürfen Marketer ganz genau hinhören: es geht beim Newsletter schreiben weniger um die Frage, was du damit erreichen willst, sondern um die Frage, wie kannst du die Menschen wirklich erreichen, damit sie sich angesprochen fühlen?
Was beschäftigt sie, was sind ihre Fragen, ihre Themen und Probleme? Welche Informationen würden ihnen weiterhelfen? Wie kannst du ihnen mit deinem Newsletter dienen? Wenn du dazu exakt passend auch noch eine Dienstleistung oder ein Produkt hast, wunderbar, aber es sollte aber nicht permanent im Vordergrund stehen.

Es gab bei dieser Frage auch noch ein Freifeld, um eigene Gründe benennen zu können. Es wurde kaum ausgefüllt. Eine Person hatte die Gelegenheit jedoch genutzt, um ihren Frust über Newsletter auszulassen:
„Ich habe genug Input und brauche keine Werbung oder kurze Informationen. Die verhindern, selbst eine Übersicht zu behalten im Emailpostfach. Wodurch ich wichtige E-Mails nicht mehr im Auge habe, weil zu viel reinkommt und ich dann wieder aussortieren muss. Ich finde die anstrengend im Informationszeitalter. Newsletter nerven im Postfach wie die Flyer im Briefkasten. Wenn ich Informationen wünsche, dann gehe ich selbst auf die Suche.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Ich möchte mich hier mit dem Gedanken anschließen, dass es für uns als E-Mail-Marketing Betreibende mit zu unserer Verantwortung gehört, mit den Ressourcen Zeit und Aufmerksamkeit unserer Listen-Insassen sorgsam umzugehen.
Mehr den Blickwinkel unseres Gegenübers einzunehmen, statt sorglos Inhalte rauszuballern. Wer täglich etwas zu sagen hat, sollte dafür auf Social Media gehen, aber nicht den Newsletter dafür missbrauchen. Auch Löschen kostet Zeit und bringt unseren Newsletter dem Klick auf den Abmelde- oder Spam-Button näher.
Damit meine ich nicht die künstliche Zurückhaltung und Angst davor, den Menschen auf die Nerven zu gehen, aber nicht jedes Business muss auf eine hohe Newsletter-Frequenz setzen.
Die Newsletter-Frequenz – wie oft darf es bitte sein?
Die Frage nach der Frequenz gab keine Antwort vor, sondern war als Freifeld gestaltet: Wie oft darf ein Newsletter für dich erscheinen, damit du ihn gerne liest?
Die Akzeptanz für wöchentliche Intervalle lag bei 38 Prozent. Manchmal mit dem Zusatz versehen, dass es maximal einmal pro Woche sein darf. 13 Prozent der Antworten bevorzugten 14-tägige Intervalle und 24 Prozent nur monatlich oder noch seltener. Eine kleine Minderheit war offen für mehr als einen Newsletter pro Woche und weitere kleine Gruppe meinte “kommt darauf an” und waren je nach Thema an mehr oder weniger Zustellung interessiert. Auch hier wieder der klare Hinweis: Das Thema muss passen, dann geht auch mehr.

Abhilfe können hier zum Beispiel personalisierte Versandintervalle schaffen. Gib deinen Empfängern die Wahlfreiheit, wie oft sie deinen Newsletter erhalten können.
Gründe, warum Newsletter nerven
Fast die Hälfte der Befragten gab an, oft von Newslettern genervt zu sein (47 Prozent), weitere 43 Prozent sind zumindest gelegentlich genervt und nur 8 Prozent meistens nicht. Und so wundert es auch nicht, dass 63 Prozent angaben, sich regelmäßig von Newslettern abzumelden.
Der Top-Grund, warum Newsletter nerven, ist ein zu häufiger Versandintervall. 76 Prozent der Befragten gaben das als Grund an. Etwas mehr als jeder Zweite ist auch davon genervt, wenn er Newsletter erhält, für die er sich nicht angemeldet hat oder sie trotz Abmeldung weiterhin kommen. Und knapp die Hälfte ist, wen wird es wundern, genervt von uninteressanten Inhalten.
In einem Freifeld konnten Gründe ergänzt werden, die ebenfalls nerven, aber nicht durch die vorgegebenen Antworten abgedeckt waren. Diese Gelegenheit ließen sich einige Menschen nicht entgehen. Hier kristallisierten sich weitere Gründe heraus:
- erkennbar mit KI geschriebene Texte
- aufdringliches Verkaufen
- zu lange Pausen zwischen den Newslettern, so dass man vergessen hat, wer den Newsletter überhaupt verschickt
- unregelmäßige Versandintervalle
- inhaltliche Wiederholungen
Ein paar der Rückmeldungen teile ich hier. Sie machen deutlich, welche Bedürfnisse auf der Empfängerseite bestehen, bei denen wir als Versender leicht Abhilfe schaffen können. Und damit die Akzeptanz für einen Newsletter recht einfach erhöhen können. Das betrifft vor allem die Themen Verkaufen und Versandintervall.
Newsletter nerven…
„Wenn sie für mich keinen Mehrwert bieten, sondern nur Hard Selling.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Wenn sie zu unregelmäßig verschickt werden, also nur alle Jubeljahre oder wenn der Person einfällt, dass sie etwas verkaufen will.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Wenn nicht segmentiert wird und ich in Launchphasen wiederholt mit mehreren Mails am Tag bombardiert werde, obwohl ich nicht einmal auf einen Link in der Mail geklickt habe.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Wenn ich Monate nichts gehört habe, und dann kommt plötzlich aus dem nichts ein ’super-sonderangebot‘ nur xy Tausend Euro.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Ich mag feste Versandtage, da stört mich der wöchentliche oder bi- bzw. triwöchentliche Turnus nicht. Aber lange nichts, dann ganz viele auf einmal, dann wieder Totenstille, nervt.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Am allermeisten nervt mich, wenn der Newsletter mit KI geschrieben wurde.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Die Abmeldegründe sind hier noch einmal als Grafik zu finden.

Ein Freifeld ließ auch andere Abmeldegründe zu. Das nahmen nur wenige in Anspruch genommen. Allerdings gab es hier klare Kritik an der gängigen Leadmagnet-Praxis, die Inhalte mit einem verpflichtenden Abo verknüpft:
„Ich finde es unverschämt, dass man bei einigen Websites verpflichtet ist, einen Newsletter zu abonnieren. Das sollte immer freiwillig sein.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Andere halten das pragmatisch und teilen das auch ehrlich mit:
„Nur bestellt, um Rabatt zu erhalten, dann wieder abgemeldet.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Genervte Leserschaft vermeiden und Newsletter-Standards einhalten
Wir können als Newsletter-Versender viel dafür tun, dass Newsletter wirklich ankommen, indem wir uns an die Standards für gutes E-Mail-Marketing halten. Hier habe ich darüber geschrieben.
Auf Grundlage der Umfrage fasse ich wichtige Punkte noch mal zusammen:
- Verschicke relevante Themen
- Schreibe deinen Newsletter interessant, spannend und/oder persönlich
- Nutze gestalterische Elemente, die ihn übersichtlich machen (keine Textwüste)
- Schreibe einen aussagekräftigen Betreff und halte ein, was du ankündigst
- Schreibe nur die Menschen an, die dir eine Einwilligung dafür gegeben haben und respektiere eine Abmeldung (Abmeldebutton in jedem Newsletter)
- Achte auf Transparenz: klarer Absendername, Impressum, Datenschutzerklärung
- Achte auf eine angemessene Versandfrequenz (oder biete unterschiedliche Versandintervalle an)
Kanalkonkurrenz: wer nutzt was?
Natürlich hat es mich auch interessiert, welche Kanäle statt oder zusätzlich zu Newslettern genutzt werden, um informiert zu bleiben. Meine oben genannte These dazu: Newsletter müssen sich die Aufmerksamkeit mit mehr Kanälen als früher teilen und haben dadurch an Akzeptanz eingebüßt. Und die Antworten deuten in diese Richtung.
Es konnten bei der Antwort mehrere Kanäle ausgewählt werden.
Die Topantwort war jedoch kein Kanal, sondern die beliebteste Informationsquelle ist mit 77 Prozent der Austausch mit anderen Menschen. Der Mensch, das soziale Wesen.
Auf Platz zwei folgt Social Media mit 61 Prozent Zustimmung. Und auf Platz drei Google und Suchmaschinen (60 Prozent).

Hier lohnt sich auch noch der Blick in die Altersverteilung.
Die jüngere Generation hat mit 88 Prozent der Stimmen angegeben, Social Media zu nutzen. Die Generation 60+ kommt hier nur auf 38 Prozent, ist dafür aber führend bei der Nutzung von Zeitungen und Zeitschriften und ebenso bei Büchern mit 76 Prozent Zustimmung und beim Fernsehen (48 Prozent). Im Vergleich dazu: Die jüngeren Generationen bis 39 Jahren stimmten bei der Nutzung von Fernsehen und Zeitungen gerade mal mit 12 Prozent zu, sie zu nutzen.
In einem Freifeld sollte dann noch angegeben werden, welche drei Informationskanäle bevorzugt genutzt werden, beginnend mit dem für die Person wichtigsten Kanal. Hieraus ergibt sich das Bild, dass viele Kanäle genutzt werden, aber wenige wirklich zum absoluten Hauptkanal werden, der für viele gilt.
Am häufigsten wurde Social Media unter den Top 3 genannt (27 mal, davon 14 mal auf Platz 1), direkt gefolgt von Google (26 mal genannt, davon 7 mal an erster Stelle). Newsletter tauchten in den Top 3 nur sechs mal namentlich auf. Sie sind daher eher als ergänzender Infokanal zu bewerten, nicht als Hauptkanal. Das passt auch zum häufig gewünschten Versandintervall von max. einmal pro Woche oder weniger. KI wie ChatGPT bewegt sich als Infoquelle in den Top 3 im Mittelfeld mit 14 Nennungen, davon nur 4 mal auf Platz 1.
Auch bei dieser frei gewählten Aufzählung gibt es deutliche Unterschiede in den Altersgruppen:

Meine These, dass Newsletter einer großen Kanal- und Medien-Konkurrenz ausgesetzt sind, sehe ich als bestätigt an.
Welche Wünsche haben Newsletter lesende Menschen?
Es gab in der Umfrage auch die Möglichkeit, losgelöst von einer vorgegebenen Frage eigene Gedanken zum Thema Newsletter zu teilen. Diese Gelegenheit wurde gut genutzt. Daraus lassen sich weitere Wünsche an gute Newsletter extrahieren. Hier ein paar der Originalzitate:
„EIN FOTO! Jeder Newsletter sollte unbedingt ein Portrait enthalten, damit ich Name, Gesicht und Text immer miteinander in Verbindung bringen kann. Gerade, wenn ich den Menschen noch nicht gut, bzw. nur online kenne.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Ich nutze Newsletter hauptsächlich, um mir ein Bild von den Schreibern machen zu können. Ticken wir ähnlich, haben wir die gleichen Werte? Ich merke so ziemlich schnell, ob ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen kann.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Ich glaube, ich war sehr kritisch, weil ich genervt bin. Wenn Leute Spaß an ihren Newslettern haben, sollten sie sie auch bekommen können. Vielleicht so oft wie man sie erhalten möchte. Ich kann mir vorstellen dass das sehr individuell ist.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
„Ist der Newsletter einfach eine Aneinanderreihung von Produkten oder Rabattaktionen, ohne Tipps und inhaltlichen Mehrwert, habe ich keine Lust darauf und schiebe ihn sogar ungelesen in den Papierkorb (falls ich das Produkt gerade nicht brauche). Wüsste ich, dass es zusätzlich immer noch einen Mehrwert gäbe, würde ich reinlesen..“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Sind Newsletter noch zeitgemäß?
Die Abschlussfrage lautete: Bist du der Meinung, dass Newsletter noch zeitgemäß sind?
64 Prozent der Teilnehmenden bestätigten dies, 27 Prozent waren sich da nicht sicher und zehn Prozent fanden Newsletter nicht mehr zeitgemäß.
Das Alter spielt hier wieder eine entscheidende Rolle. Je jünger die Person, umso weniger Zustimmung. Ab 40 Jahren aufwärts liegt die Zustimmung zu der Aussage bei 70 Prozent und mehr. Bei den Altersgruppen unter 40 Jahren sinkt sie auf 35 Prozent ab.
„Newsletter haben nach wie vor ihre Berechtigung, wenn sie gut gemacht (geschrieben, konzipiert, ggf. designt) sind 😉“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Fazit
Wenn ich mir die Ergebnisse der Umfrage anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass Newsletter weiterhin ein wichtiger Marketingkanal bleiben. Damit er funktioniert, muss er aber eine hohe inhaltliche Qualität liefern und auf die Bedürfnisse der Leserschaft zugeschnitten sein. Und ob sich ein Newsletter im eigenen Marketing-Mix lohnt, hängt vor allem auch eng mit der eigenen Zielgruppe zusammen. Je jünger diese ist, umso mehr sollte auf andere Kanäle gesetzt werden. Deutlich wird auch, dass es sinnvoll ist, sich nicht nur auf einen Kanal zu verlassen.
Ich sehe meine Ausgangsthese untermauert, dass weniger das Medium veraltet, sondern Newsletter einfach oft nicht relevant genug sind, um Menschen abzuholen.
Newsletter sind einem feinen Zusammenspiel von relevanten Inhalten und Versandfrequenz unterworfen und benötigen transparente An- und Abmeldevorgänge, die auf Freiwilligkeit beruhen. Diese Eingangsthesen sehe ich durch die Umfrage-Antworten bestätigt.
Auch die These zur Kanal-Konkurrenz hat sich bestätigt. Kommt dann noch Zeitmangel hinzu, landen Newsletter schneller im Papierkorb und werden unter Umständen weniger gelesen und konsumiert als andere Quellen und Medien.
„Es hängt sehr davon ab, wie sehr man beruflich eingespannt ist. Wenn ich sehr viel zu tun habe, dann nerven mich die vielen Newsletter und dann überfliege ich selbst die nur, die ich eigentlich gerne lese.“
Original-Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage
Durch die Umfrage-Ergebnisse werden zudem Interessenkonflikte deutlich. Denn es stoßen beim Thema Newsletter zwei Gruppen mit nicht immer den gleichen Zielen und Wünschen aufeinander.
Auf der einen Seite sind unternehmerisch tätige Menschen, die Newsletter versenden. Sie haben in der Regel ein wirtschaftliches Interesse und nutzen Newsletter direkt oder indirekt, um zu verkaufen.
Demgegenüber stehen die Interessen der Leserschaft, die in der Umfrage an Produkten und Dienstleistungen das geringste Interesse geäußert haben und stattdessen mehr inhaltlich, zu für sie relevanten Themen bedient werden wollen. Wer Menschen mit seinem Newsletter erreichen möchte, muss sich also darauf einstellen.
Für mich ergibt sich daraus der Hinweis, dass Newsletter im Content-Marketing durchaus weiter Relevanz haben, wenn sie vordergründig für den Vertrauensaufbau genutzt werden und inhaltliche Mehrwerte liefern. “Plumpe Verkaufstaktiken” kommen nicht gut an. Daraus zu schließen, über Newsletter nicht mehr zu verkaufen, wäre aber auch der falsche Weg. Insbesondere im Online Business bleibt es ein starker Verkaufskanal.
Es braucht daher eine Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen einerseits und dem Wunsch, der Leserschaft bestmöglich mit gutem Content-Marketing zu dienen, ohne jedes Mal marktschreierisch zu wirken und Vertrauen zu verspielen.
Hier dürfen wir als Selbstständige immer wieder austarieren, um einerseits hochwertige Inhalte zu erstellen und zu versenden und andererseits auf Verkauf hinzuwirken, damit wir die Ressourcen haben, um wirtschaftlich zu arbeiten und damit auch weiterhin guten Content bereitstellen zu können.
Zudem braucht es immer einen individuell zusammengestellten Marketing-Mix, um die Menschen erreichen zu können, die mit mir zusammenarbeiten wollen und mit denen ich als Selbstständige arbeiten will.
Zu meinem eigenen Newsletter war ebenfalls ein Feedback in der Umfrage enthalten. Und mit diesem Zitat möchte ich diesen Bericht nun abschließen, denn er zeigt noch einmal zusammengefasst, in welche Richtung ich mit meinen Bemühungen möchte:
„Mach Deinen mit so viel Liebe und interessanten Themen weiter.“
Original-Zitat eines Teilnehmers der Umfrage
Die Umfrage wurde durchgeführt und ausgewertet von Dorothee Dickmann.
Über die Autorin
Dorothee Dickmann, Online-Redakteurin B.A. seit 2009, war freiberuflich für Online-Medien und eine Internetagentur tätig sowie viele Jahre angestellt in der Online-Unternehmenskommunikation im Mittelstand. Heute unterstützt sie als Mentorin für Sichtbarkeit und Content Marketing Selbständige und Freiberufler dabei, Klarheit über ihre Kanäle, Inhalte und Positionierung zu gewinnen und Content Marketing strukturiert umzusetzen.


