Seit einigen Monaten bin ich damit betraut, die Website einer Kundin weiterzuentwickeln. Sie hat zu Beginn ihrer Selbständigkeit eine klassische Visitenkarten-Website aufgesetzt: Startseite, Über mich Seite, Auflistung ihrer Expertise, Kontaktformular, und eine Übersichtsseite mit ihrem Therapie-Angebot. Und dann das gemacht, was die meisten Selbständigen mit ihrer Website machen: nichts.
Einmal aufgesetzt, für immer ignoriert. Das ist das Los vieler Visitenkarten-Websites.
Mich bekümmert dieses Ignorieren von Potential, das in Websites schlummert. Daher mache ich mich dafür stark, Websites aktiv zu betreiben. Und gerade für Dienstleisterinnen und Experten sehe ich enorm viel Potential beim Thema Website und Bloggen.
Daran hat auch das Thema KI und Google AI Overviews nichts geändert, wenngleich uns die KI Wissen auf Knopfdruck liefert und man sich fragen könnte, ob Websites und Blogs noch zeitgemäß sind. Warum ich der Meinung bin, dass sie das sind, möchte ich am Beispiel einer Kundinnen-Website zeigen.
Content-Strategie für die Website
Die Kundin, um die es hier geht, betreibt eine Praxis für Naturheilkunde. Zu Beginn unserer Zusammenarbeit gab es auf ihrer Website eine Übersichtsseite für die Therapien, auf der alle angebotenen Therapieformen in zwei, drei Sätzen erklärt wurden. Eine weitere Unterseite listete die Angebote und Termine ihrer Präventionskurse und eines Seminars gesammelt auf einer Seite auf.
Im ersten Schritt schlug ich vor, die Kurs-Angebote als einzelne Seiten anzulegen, damit jedes Thema für sich für die Google-Suche optimiert werden kann. Wir starteten im Mai diesen Jahres damit und es entstanden im ersten Schritt vier Angebotsseiten für die Kurse und Seminare.
Als nächstes folgten die einzelnen Therapieangebote. Dieser Schritt ist noch nicht abgeschlossen, sondern wird nach und nach je nach verfügbarer Zeit umgesetzt. Trotzdem sind die positiven Effekte bereits jetzt schon so deutlich, dass ich sie hier zeigen möchte.
Search Console: Die Zahlen gehen nach oben
Zusätzlich zu den vier Angebotsseiten von Mai gehen Anfang und Ende Juni die ersten beiden Therapie-Seite online. Es folgen im Juli und Anfang September zwei weitere Therapie-Seiten.
Anfang Oktober überprüfe ich die Zahlen in der Search Console und vergleiche sie mit dem Vorjahr. In der Tabelle sind die Zahlen für den Zeitraum Juni bis September 2025 im Vergleich mit dem gleichen Zeitraum 2026.
Die Impressionen sind für beide Zeiträume fast identisch. Daran hat sich also nichts geändert. Geändert haben sich stattdessen diese Zahlen, und zwar nach oben:
| Zeitraum Juni – September | 2025 | 2026 |
|---|---|---|
| Klicks | 114 | 214 |
| Ø Position in den Google-Suchergebnissen | 27,5 | 11 |
Was in den Zahlen nicht zu sehen ist: Die Kursseiten und die beiden zuerst veröffentlichten Therapie-Seiten schaffen es aus dem Stand in die Top 10 der Google Suchergebnisse:
- durchschnittliche Platzierung Kurs-Seiten: 5,9 / 3,4 / 3,6 und 9,3
- durchschnittliche Platzierung Therapieseiten: 5,4 und 3
Für die später veröffentlichten Seiten ist es aktuell noch zu früh für eine Beurteilung.
KI weiß nur, was du ihr an Inhalten lieferst
Gerade für lokale Angebote ist eine inhaltsreiche Website im Grunde ein Must-have. Menschen suchen für ihre Probleme eine naheliegende Lösung und bei Themen wie Gesundheit oder Dienstleistungen suchen sie vor allem nach einem Anbieter in der Nähe. Wer sich hier mit einer gut geplanten, inhaltsstarken Website aufstellt und auch die weiteren Schritte zur Auffindbarkeit umsetzt, hat Chancen, online gefunden zu werden.
Egal ob Google, Bing oder ChatGPT: Suchmaschinen oder KI-Chatbots können nur ausgeben, was sie kennen. Und wie sollen sie dich kennenlernen, wenn du online nicht auffindbar bist? Und genau dafür ist eine Website mit starken Inhalten ein wichtiger Baustein.
Die Search Console liefert für die Website meiner Kundin auch hierzu eindeutige Zahlen:
Impressionen in der Google KI Antwort (Mai – September)
| 2025 | 2026 |
|---|---|
| 0 | 125 |
Die Visitenkarten-Website vom letzten Jahr wurde exakt Null mal in der Google KI ausgespielt. Seit der strategischen Weiterentwicklung bereits 125 mal und die Tendenz ist steigend, wie der folgenden Screenshot zeigt.

Schon Ende Mai schrieb mir meine Kundin diese Nachricht:

In einem Inkognito-Chat von ChatGPT simulierte ich im September eine Anfrage für ein gesundheitliches Problem mit einer lokalen Suche, um zu prüfen, ob die Praxis meiner Kundin empfohlen wird. Wurde sie. Und ChatGPT lieferte gleich noch einen Hinweis mit, der meine Arbeit und mein Bestreben auf so einfache Art und Weise aufzeigte, dass ich direkt einen Screenshot an meine Kundin senden musste:
“Wenn du möchtest, kann ich auch noch 3-5 Praxen im Umkreis von 5-10 km vergleichen – speziell danach, wer wirklich fundiert mit Darm/Mikrobiom, Reizdarm, Unverträglichkeiten etc. arbeitet und nicht nur allgemein “Darmgesundheit” auf der Website stehen hat”
ChatGPT-Antwort
Wie ich schon in der Überschrift schrieb: Die KI weiß von dir nur, was du an Inhalten lieferst. An dieser Stelle also eine ganz klare Empfehlung für eine Website, am besten mit einem Blog, um noch mehr Platz zu haben, in die Tiefe zu gehen und Expertise zu zeigen.
Die technische Grundlage
Die Website meiner Kundin läuft auf WIX und war mit viel Mühe und Frustration von der Kundin selbst aufgesetzt worden. Wie sie selbst sagte, die schlimmste Zeit ihres Lebens. (Technische) Überforderung ist, neben Zeitmangel, einer der häufigsten Gründe, warum Websites nicht weiterentwickelt werden.
An der technischen Basis änderten wir nichts. Zu Beginn bügelte ich erst einmal nur grobe Schnitzer aus, passte Metadaten an und zog die Überschriften-Hierarchie glatt.
Wenngleich WIX nicht meine erste Wahl ist, finde ich es nicht nötig, alles neu und damit kostspieliger zu machen, wenn die Website schon läuft und ein Vertrag abgeschlossen ist. Mit der bestehenden Grundlage ließ sich gut weiterarbeiten.
Es kommt also weniger auf das Tool, sondern wirklich auf die Inhalte an. Eine gut funktionierende Technik ist eine Stellschraube und die sollte passen. Mit einem Baukastensystem ist sie oftmals bereits solide aufgestellt, da die Betreiber solcher Angebote zufriedene Kunden haben wollen und beim Thema SEO und GEO ständig nachbessern.
Sichtbarkeit: Es kommt auf den Marketing-Mix an
Ich sage nicht, dass Websites der heilige Gral der Sichtbarkeit sind. Und wenn man sich die Zahlen meiner Kundin ansieht, ist auch klar, dass darüber aktuell nicht genügend Kundinnen kommen werden, damit sich ihre Praxis trägt.
Dennoch sind sie ein starkes Instrument und wenn man sich für eine Website entscheidet, dann bitte ganz und mit allen Konsequenzen der Umsetzung und Weiterentwicklung. Eine Website ist kein Selbstläufer, sondern will gepflegt werden. Nur dann kann sie langfristig funktionieren.
Letztlich kommt es immer auf einen Marketing-Mix an, der angepasst ist an das jeweilige Business. Was sind die Vorlieben und Ressourcen der Selbständigen? Und wo befindet sich die Zielgruppe und was sind deren Bedürfnisse?
Diese und weitere Fragen kläre ich übrigens auch in meinem Sichtbarkeits-Check-up:

Sichtbarkeits-Check-up
Mach den Check-up für mehr Sichtbarkeit sowie ein Marketing, das sich nach dir anfühlt und zeitlich machbar ist.
Über die Autorin
Dorothee Dickmann, Online-Redakteurin B.A. seit 2009, war freiberuflich für Online-Medien und eine Internetagentur tätig sowie viele Jahre angestellt in der Online-Unternehmenskommunikation im Mittelstand. Heute unterstützt sie als Mentorin für Sichtbarkeit und Content Marketing Selbständige und Freiberufler dabei, Klarheit über ihre Kanäle, Inhalte und Positionierung zu gewinnen und Content Marketing strukturiert umzusetzen.


