Momente mit KI und was ich aus ihnen gelernt habe

Dieser Artikel erzählt Geschichten von KI und mir. Er erscheint im Rahmen meiner Blogparade “Ein KI-Moment in meinem Business und was er mir gezeigt hat”. Der Aufruf zu dieser Aktion beginnt so passend, dass ich diese Worte auch hier voranstelle: 

Zwischen Ablehnung und Hype ist derzeit beim Thema KI wohl alles vertreten. Auch ich selbst bin hin- und hergerissen: zwischen Möglichkeiten und Bedenken. Zwischen Spielerei bzw. Zeitvergeudung und wirklich effizienter Zusammenarbeit. Zwischen der Angst, verdrängt und ersetzt zu werden und dem Erkennen neuer Geschäftsmöglichkeiten. 

Klar ist, mich lässt das Thema KI nicht kalt. Und klar ist mir auch, dass KI gekommen ist, um zu bleiben. Und wir alle sind gefragt, uns zu positionieren. Nicht dogmatisch, aber mit Haltung. Sind wir Team Mensch oder Team Maschine? Oder ein gesunder Mix aus beidem? Und gibt es diesen überhaupt? 

Dieser Artikel liefert keine Antworten. Stattdessen erzähle ich hier Geschichten aus meiner Arbeit mit KI und was sie bei mir bewirkt haben. Als Momentaufnahme. Und als Einladung für eine gemeinsame Reflektion. 

Die Blogparade läuft noch bis zum 9. August 2026. Wenn auch du deine Geschichte und einen prägenden Moment mit KI teilen möchtest, dann findest du hier die Anleitung zum Mitmachen.

Der erste Moment: ChatGPT und die Positionierungsfrage 

Es war im letzten Jahr. Ich hatte im Frühsommer entschieden, mein noch recht junges Life Coaching Business aufzugeben und mich wieder ganz auf meine ursprüngliche Kompetenz zu fokussieren: Sichtbarkeit und Content Marketing. Damit stand ich mit meinem Business wieder auf Null. Neubeginn. 

Diesen großen Schritt hatte ich in einem mehrwöchigen Business Coaching mit Hilfe meiner Mentorin erarbeitet. Doch die Entwicklung eines neuen Angebots lief auch im Herbst noch schleppend an. Das Coaching war ausgelaufen und die Mentorin stand nicht mehr zur Verfügung. 

Daher nahm ich an einem Workshop teil, bei dem es unter anderem auch um das Thema Positionierung ging. Ein CustomGPT wurde zur Verfügung gestellt, mit dem man selbständig das Thema Angebot und Positionierung erarbeiten sollte. (Ein Custom GPT ist ein spezialisierter Chat von ChatGPT, der auf ein bestimmtes Thema mit Fachwissen trainiert ist.)

Es entspann sich ein spannender Austausch mit ChatGPT und ich hatte das Gefühl, endlich durchzublicken und meiner Positionierung näher zu kommen. Doch anschließend änderte sich nicht wirklich etwas. Vielmehr hatte ich kurze Zeit später das Gefühl, dass zwar alles gut geklungen hatte, es mir aber überhaupt nicht dabei half, konkret in die Umsetzung zu kommen.

Ein Angebot entwickelte ich daher ohne die Hilfe von KI, stattdessen mit dem Feedback von echten Testkundinnen, die mir sofort Rückmeldung gaben, was sie gut fanden und was ihnen geholfen hat. Und es funktionierte. Ganz ohne KI. 

KI lief bei mir unter dem Motto “Irgendwie faszinierend, manchmal sehr nützlich, aber brauche ich das wirklich?”

Vor dem ersten Moment

Ich sollte erwähnen, dass bei mir Anfang 2025 bereits eine Testphase lief, um den Einsatz von ChatGPT auszuprobieren. Insbesondere um technische Fragen zu klären. Das hat mich einerseits wirklich vorwärts gebracht und ich konnte Lösungen umsetzen, die ich alleine nur schwer oder mit viel Aufwand bewerkstelligt bekommen hätte oder wo ich auf externe Hilfe hätte zurückgreifen müssen. Davon war ich wirklich beeindruckt. 

Aber der Teufel lag im Detail und ich musste viel Kontext liefern, sonst kam auch schnell Schrott dabei heraus. Entsprechend agierte ich vorsichtig, denn wenn mir ein bestimmter Kontext selbst fehlte, weil er außerhalb meines Kompetenzbereichs lag, konnte ich die Antworten der KI nicht auf Plausibilität prüfen und nur durch Versuch und Irrtum verifizieren. Und das ging auch schon mal daneben. 

Daher nutze ich diese Möglichkeit sparsam und nur, wenn es wirklich ein dringliches, aber überschaubares Problem zu beheben gilt.

Der zweite Moment: Claude eingebettet in Kontext

Anfang 2026 mehren sich die begeisterten Rufe und Anwendungsberichte um Claude. Verteilten Content Creator und Online Business Inhaber 2025 noch großzügig ChatGPT Prompts als Mehrwert auf Social Media, werden nun stattdessen Claude Prompts oder sogar Skills angeboten. (Skills sind ähnlich der Custom GPTS speziell trainierte Aufgaben, die in Claude angewandt werden können.)

Ich nehme das alles erst mal nur zur Kenntnis, werde schließlich neugierig und dann ist mein Account für einen ersten Test eingerichtet. Im Mai besuche ich einen Claude-Workshop, um mir die ersten Schritte und ein Grundverständnis anzueignen. 

Wie ich aus der Arbeit mit ChatGPT bereits gelernt habe: Kontext ist alles. Ich richte Claude daher erst einmal umfassend ein und liefere der KI einiges an Hintergrundinfos zu mir und meinem Business, bevor ich richtig damit arbeite.

Eine der ersten Aufgaben ist eine Analyse meiner Angebotsseite. Das Ergebnis klingt ehrlich und nachvollziehbar. Ich passe die Seite direkt an. Claude hat unter anderem Widersprüche aufgedeckt: zwischen der Wirkung, die ich erreichen möchte, und der Wirkung, die meine gewählten Worte aussenden. Und ich muss ihm beipflichten. 

Nebenbei bemerke ich: Claude labert nicht so viel drumherum. Wie angenehm. (Ich weiß, das ist eigentlich Einstellungssache, auch bei ChatGPT, aber es ist sehr angenehm, wenn ein KI das gleich von sich aus reduziert hält). 

Motiviert von dem guten Auftakt starte ich den nächsten Versuch mit dem Thema Positionierung und Angebot. Diesmal aber innnerhalb eines Projekts, das ganz auf mein Business ausgerichtet ist, wichtige Hintergrundinfos bereithält und quasi aufgewärmt startet. 

In der Rolle des Sparringspartners schafft Claude es, gemeinsam mit meinem Input, wichtige Knoten zu lösen, Widersprüche aufzudecken und durch gezielte Rückfragen Klarheit herzustellen. Es ist, als würde ich meinen eigenen Prozess, den ich meinen Kundinnen angedeihen lasse, zusammen mit Claude bei mir selbst durchführen. Nur, dass er die Rolle des Blinde-Flecken-Aufdeckers übernimmt, die sonst ich innehabe. 

Und diesmal bleibt es nicht bei schönen Worten. Ich gehe sofort in die Umsetzung. Das ist ein riesiger Sprung vorwärts. Ein bereits vorhandenes Angebot, das immer noch nicht auf der Website zu sehen war, ist jetzt online. Der rote Faden durch meine Angebote ist für mich klar zu sehen. Und ich habe das Gefühl, in zwei Tagen geschafft zu haben, was ich monatelang nicht auf die Straße bringen konnte. Und nebenbei erinnerte mich Claude sogar noch daran, nach dieser Leistung auch mal Feierabend zu machen und mich nach meinem Umsetzungsrausch zu erholen. 

Diese Erfahrung hat mich sehr beeindruckt und führt dazu, dass ich KI wieder mehr im Alltag mitdenke. Was kann ich abgeben? Wo kann ich mich unterstützen lassen? Wo benötige ich einen zusätzlichen “Blick von außen”, den KI mir liefern kann?

Viele offene Fragen

Und gleichzeitig habe ich so viele Fragen im Kopf. Wo ist die Grenze? Wo ist meine Grenze? Welcher KI-Einsatz ist sinnvoll? Was ist überflüssig? Wo investiere ich beispielsweise etwas mehr Zeit in die Entwicklung eines Skills, weil er mir wirklich Arbeit abnehmen kann und wann ist das überdimensioniert und würde den Aufwand für die Einrichtung nicht rechtfertigen? Was macht es mit uns Menschen, wenn wir uns immer mehr auf KI verlassen? 

Wie ich bereits in einem anderen Artikel schrieb, möchte ich mir beispielsweise das Schreiben von Blogartikeln nicht nehmen lassen, weil ich den Schreibprozess als solchen so sehr liebe. Ich durchdringe Themen einfach anders und tiefer, wenn ich selbst etwas darüber schreibe.

Stattdessen habe ich mir jetzt einen Skill gebaut, der meine Artikel noch mal gegenliest und mir bei den Aufgaben hilft, die ich eher lästig finde. Er textet mir die Description oder noch fehlende Zwischenüberschriften und prüft den Inhalt auf einen roten Faden. Meist kreidet er genau die Stellen im Text an, bei denen ich im Schreibprozess selbst noch nicht zufrieden, sondern unsicher bin, ob sie schon rund sind.

Eine klare Rollenverteilung ist wichtig

Immer mehr verstehe ich, wie wichtig eine klare Rollenverteilung ist. Und die beginnt bei mir im Kopf. Denn vor allem muss ich mir meiner Rolle klar sein: Ich bin die Chefin in der Zusammenarbeit mit KI. Ich gebe die Richtung vor. Der Chatbot ist eine Mischung aus hilfsbereitem Praktikant und einem Mitarbeiter, der (lästige) Aufgaben auf Anweisung übernimmt. Ein Mitarbeiter, zu dem ich als Chefin zwar ein gutes Verhältnis pflege und an den ich Aufgaben delegiere, aber an den ich in letzter Instanz niemals die endgültige Entscheidung und Weisungsbefugnis übergebe. 

Natürlich kann mich KI als Sparringspartner beraten, aber genau wie bei einem externen Berater, bleibt die letztliche Entscheidung bei mir, was ich davon annehme und umsetze und was nicht. 

Auch bei einer KI muss ich führen können, Aufgaben klar benennen, Risiken abwägen, Entscheidungen treffen… Und genau das möchten wir Menschen ja so gerne immer mal wieder abgeben. Denn Führen und Vorausgehen ist anstrengend. Da ist die Versuchung groß, sich vorsagen zu lassen, was wir wie tun können oder sollen.

Mir kräuseln sich die Nackenhaare, wenn ich jemanden sagen höre: “Aber ChatGPT hat gesagt…”. Dann sage ich meistens, dass ChatGPT keine Suchmaschine ist und frage nach, ob die Quellen gegen geprüft wurden.

Tempo, Tempo, Tempo

Was mir wirklich zu schaffen macht, ist das Tempo dieser KI-Entwicklung. Die KI-Unternehmen überschlagen sich gegenseitig mit den neuesten Updates und Weiterentwicklungen. Überall schreit es mir entgegen: Wer jetzt nicht handelt und KI-Prozesse in seinem Unternehmen implementiert, wird bald abgehängt sein. Jetzt ist das kleine Zeitfenster, bald ist es zu spät, also Tempo, Tempo, Tempo. 

Und ja, ich sehe die Notwendigkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich sehe die Ergebnisse, die KI für mich geliefert hat und sie sind wirklich teilweise beeindruckend. 

Dennoch kommt es mir nicht gesund vor, wie unkritisch und gehypt KI oftmals in unseren Alltag drängt. Wie sehr Werbung und Marketing für KI Angebote auf diesen FOMO-Charakter setzen. Es trifft so viel Unwissenheit und Naivität auf eine dermaßen leistungsfähige Technik, deren Auswirkungen auf uns selbst und unsere Gesellschaft nur ansatzweise erforscht sind. 

Selbst Anthropic, das Unternehmen hinter der KI Claude, warnte Anfang diesen Monats und sprach sich für eine weltweite Pause in der KI-Entwicklung aus, damit die Menschen und Gesellschaften Zeit finden, mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Zum Beispiel, um genügend Forschung über die Folgen und Gefahren zu betreiben und Kontrollsysteme auf den Weg zu bringen, um eine immer selbständiger agierende KI im Zaum zu halten. 

Ich selbst habe bisher weder mit Claude Cowork noch mit agentischer KI gearbeitet, die Zugriff auf definierte Bereiche meines Rechners erhalten würden oder in meinem Namen Postings auf Social Media machen könnten. Zu groß ist mein Bauchgrummeln. Gleichwohl schätze ich die punktuelle Zusammenarbeit mit Claude und habe Freude daran und Lust darauf, weitere Einsatzmöglichkeiten zu erforschen und zu testen. 

Kam bei diesem Artikel KI zum Einsatz?

Vielleicht fragst du dich, ob ich diesen Artikel hier mit Hilfe von KI geschrieben habe? Nein, habe ich nicht. Ich habe all diese Worte selbst aneinander gereiht. Aber an der Entwicklung der Blogparade selbst war KI beteiligt. 

Ich habe ein Brainstorming zur Themenfindung mit Claude gemacht, Ideen sortiert, meine eigene Motivation zur Blogparade geklärt und das Konzept auf Stimmigkeit überprüft. So konnte ich einen roten Faden entwickeln, meine vielleicht noch nicht ganz sichtbaren Wünsche an eine solche Aktion freilegen und einen klaren Fahrplan erstellen. 

Das war mir eine große Hilfe und ich konnte die Entwicklung der Aktion und das Schreiben des Initialartikels sowie meines eigenen Beitrags zur Parade deutlich schneller umsetzen. KI hat dabei ausschließlich eine sortierende Funktion gespielt, weil sie mir durch Rückfragen dabei hilft, mir selbst klar zu werden. Und das empfinde ich als große Hilfe und Prozessbeschleunigung. 

Was ich mir bei Thema KI wünsche

Ich wünsche mir, dass wir Menschen wachsam bleiben. Den meisten von uns wird nicht im Entferntesten bewusst sein, was heute schon möglich ist. Dazu zähle ich mich auch. Und gleichzeitig sind die Pioniere der KI-Ära bereits jetzt schon kilometerweit an allen anderen vorbeigezogen. 

Ich wünsche mir, dass wir uns nicht nur von Effizienzversprechen blenden lassen, sondern die Auswirkungen dieser Entwicklungen im Großen im Blick behalten. Dass wir nicht nur kurzfristige Verbesserungen sehen, sondern auch die langfristigen Folgen wie Jobverluste, die Gefahr verkümmernder kognitiver Fähigkeiten und neue Abhängigkeiten. Und auch den großen Schatten von KI: den riesigen Ressourcen-Verbrauch, den sie bedeutet, von seltenen Erden für die Hardware bis hin zu gigantischen Strommengen, die für das Betreiben nötig sind. 

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Blogparade entstanden. Hier findest du den Aufruf zur Aktion. Bis zum 9. August 2026 kannst du dich noch daran beteiligen.

Über die Autorin

Dorothee Dickmann, Online-Redakteurin B.A. seit 2009, war freiberuflich für Online-Medien und eine Internetagentur tätig sowie viele Jahre angestellt in der Online­-­Unternehmens­­kommunikation im Mittelstand. Heute unterstützt sie als Mentorin für Sichtbarkeit und Content Marketing Selbständige und Freiberufler dabei, Klarheit über ihre Kanäle, Inhalte und Positionierung zu gewinnen und Content Marketing strukturiert umzusetzen.

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