Die Blogparade ist vorbei. Bis zum 9. August konnte man teilnehmen. Und für mich ist es nun Zeit, die Aktion rückwirkend zu betrachten. Immerhin war es meine erste Blogparade und ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Daher möchte ich hier nicht nur die teilnehmenden Autorinnen und Autoren und ihre Beiträge vorstellen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen gewähren und mit dir teilen, was die Aktion mit mir selbst gemacht hat. Denn nicht alles hatte ich vorher im Blick. Und definitiv Neues dazu gelernt.
Vielleicht wagst du dich auch selbst mal an das Abenteuer Blogparade. Theoretisch ist das ja jederzeit möglich. Und jetzt auf in den Rückblick.
Herzklopfen bei der ersten Blogparade
Das aufregende an einer Blogparade ist ja, man weiß überhaupt nicht, was an Resonanz kommt. Und dann entsteht schnell so ein Kreisel im Kopf: Wird das Thema verstanden? Findet es außer mir noch jemand gut? Wird überhaupt jemand teilnehmen?
Und hier war die spannendste Erkenntnis: es wird wahrgenommen. Und auch wenn erst einmal nichts passiert, plötzlich tauchen die ersten Kommentare wie aus dem Nichts auf und man merkt, da hat es bei anderen Menschen innerlich gearbeitet, sie haben sich das Thema zu Herzen genommen und sie wollen ihre Sicht auf die Dinge teilen und bei der Blogparade mitmachen. Ich glaube, das war das größte Geschenk an der ganzen Aktion.
Eine Blogparade ist kein Selbstläufer
Natürlich habe ich auch etwas dafür getan, damit das passieren konnte. Ich habe nicht nur den Aufruf zur Blogparade geschrieben und meinen eigenen Beitrag dazu, sondern auch darüber hinaus auf die Aktion aufmerksam gemacht.
Ein großer Treiber war sicherlich meine Anbindung an die Blogger-Community von Judith Peters. In ihrem Blog-Programm ist der Sommer Blogparaden-Zeit und es starten viele Bloggerinnen gleichzeitig mit ihrem Aufruf zu einem Thema. Da ich VIB (Very Important Bloggerin) bei Judith bin und wöchentlich zu Themenvorschlägen informiert werde, erhalte auch ich die Info über die anstehenden Blogparaden. Und teile meinen eigenen Aufruf in ihrem Netzwerk. Zusätzlich poste ich mehrmals Einladungen auf meinen Social Media Kanälen. Sicher immer noch eher spärlich, aber häufiger, als ich sonst Inhalte teile 😉
In meinem Newsletter erwähne ich die Aktion auch mehrfach. Einmal als Aufhängerthema, danach als Randnotiz.
Im Freundes- und Bekanntenkreis spreche ich gezielt Menschen an, bei denen ich denke, dass das Thema passen könnte.
Und war sehr erleichtert, als ich aus meinem Freundeskreis die erste Zusage erhielt und recht früh wusste, die Aktion wird nicht ganz ohne Resonanz ausgehen. Denn das hätte mich doch hart getroffen.
Wie viel Werbung darf es sein?
Bei einem der eingereichten Artikel bekomme ich beim Lesen einen Schreck. Mein erster Gedanke: da steckt ganz schön viel Werbung im Text. Was mich zu der Frage führt, ob es der Sinn einer Blogparade sein sollte, zur Werbeplattform für andere zu werden? Möchte ich Werbung für Menschen machen, die ich weder persönlich kenne und von denen ich auch nicht weiß, ob ich ihre Angebote gut finde? Ich muss gestehen, dass ich mir im Vorfeld darüber keine Gedanken gemacht habe.
Stattdessen bin ich voller Vertrauen in diese Blogparade gestartet und davon ausgegangen, dass meine Mitschreiberlinge aus den gleichen enthusiastischen Motiven schreiben wie ich und einfach gerne Artikel über Themen verfassen, die sie innerlich bewegen.
Natürlich hat eine Blogparade neben dem vernetzenden Aspekt auch eine werbliche Absicht. Schließlich verlinkt man sich gegenseitig und fördert damit die Sichtbarkeit.
Und dass man in dem Rahmen auch auf ein eigenes Angebot verweist, finde ich tatsächlich völlig in Ordnung. Das mache ich in meinen Artikeln ja auch. Zum Beispiel hier für meinen Newsletter:
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Es ist eine Gratwanderung, ab welchem Moment die Grenze von Artikel zu überwiegend werblicher Botschaft überschritten wird. Und die ist für mein Gefühl bei diesem Artikel hart ausgereizt.
Bei besagtem Artikel kommt noch hinzu, dass der Blog kein Impressum enthält. Ich finde das Impressum zwar auf Umwegen auf der Hauptwebsite, aber für mich gehören diese Angaben aus Transparenzgründen dazu und sie sollten für jeden sofort zu finden sein.
Ablehnen möchte ich den Artikel aber nicht. Das passt für mich nicht in das Konzept einer Blogparade. So lange sich die Inhalte eines Artikels im Rahmen des Legalen befinden, keine Beleidigungen oder offensichtliche Falschaussagen enthalten, dürfen sie teilnehmen. Dass der besagte Blog ein Impressum nur auf Umwegen aufweisen kann, grenzt allerdings ebenfalls hart an diese rechtlichen Grundbedingungen.
Dennoch traue ich es meinen Leserinnen und Lesern zu, dass sie Inhalte für sich einordnen und bewerten können.
Was ich für mich dennoch daraus mitnehme: offensichtlich nutzen andere Blogparaden strategischer als ich. Und das kann ich durchaus auch noch mal für mich neu bewerten, wie sich Herzblut und Strategie vielleicht noch mehr miteinander verbinden lassen. Das lässt sich sicher gestalten, ohne in einen übermäßig werblichen Ton zu verfallen und den eigentlichen Inhalt als solchen im Vordergrund zu belassen.
Wenn du schon mal eine Blogparade durchgeführt hast und mit der Thematik Erfahrung gesammelt hast, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.
Was ich mir von der Blogparade noch gewünscht hätte
Im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden mit dem Ergebnis. Ich hatte mir im Vorfeld kein bestimmtes Ziel gesetzt, wie viele Artikel es unbedingt werden müssen und mich stattdessen einfach über jeden Beitrag gefreut, der eintrudelte. Als es Anfangs nur zwei waren und sich erst mal länger nichts tat, merkte ich, dass mir das zu wenige Artikel sind und ich mir mehr wünsche. Mit dem jetzigen Ergebnis bin ich aber für meine erste Blogparade zufrieden.
Ich hätte mir allerdings gerne noch mehr kritische Stimmen gewünscht. Offenbar habe ich mit dem Titel der Blogparade doch mehr KI-Enthusiasten angesprochen. Einige Artikel haben Vorteile und Nachteile bzw. Kritik gut miteinander verwoben. Trotzdem hätte ich mir noch mehr Kontroverse gewünscht. Ganz uneigennützig natürlich: ich liebe es, die unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Thema kennenzulernen und dazwischen meinen eigenen Standpunkt auszuloten.
Diese Artikel sind durch die Blogparade in die Welt gekommen
Insgesamt haben sich sechs Autorinnen und Autoren an der Aktion beteiligt, zusätzlich zu meinem eigenen Beitrag. Ich liste die Beiträge in der Reihenfolge ihrer Beteiligungen auf. Der zuerst eingereichte Artikel beginnt.
Zum jeweiligen Artikel geht es mit einen Klick auf die verlinkte Überschrift.
„Datendichtung“ von Tom de Toys
Der Lyriker und Künstler Tom de Toys betreibt seit einigen Monaten das Projekt Cyberpoesie, ein KI-Lyrik-Projekt. In dem Beitrag zur Blogparade lässt er seine Co-Autorin Algori T. Misch ihren eigenen KI-Moment erzählen, nämlich den ihrer „Geburt“ und ihre Bedeutung als Co-Autorin. Der Artikel zeigt den Chatverlauf zwischen Dichter und Co-Autorin.
„Es antwortet sofort“ von Ulrich Jösting
Zugegeben, der Artikel ist bereits vor der Blogparade entstanden. Er war in unmittelbarer Nähe des Artikels „Datendichtung“ zu finden und hat mich so begeistert, dass ich angefragt habe, ob ich ihn unter der Blogparade verlinken darf. Durfte ich und mit Genehmigung des Autors wurde er zusätzlich als Beitrag für die Blogparade freigegeben. In diesem mit dem Nahbellpreis nominierten Essay beschreibt Ulrich, wie KI und Literatur zusammen funktionieren (können). Es ist zugleich eine Abrechnung mit Kulturwächtern, die die Reinheit des Menschengemachten zu verteidigen versuchen, ohne dabei die Gefahr von KI für die Literatur unter den Teppich zu kehren. Was es braucht, damit Literatur auch Literatur bleibt und nicht zu generischen KI-Müll verkommt, was das für Schreibende bedeutet und was wahre Autorenschaft ausmacht. Hier kommen viele KI-Momente zusammen und so eindringlich, wortgewandt und auf den Punkt habe ich das noch nirgendwo gelesen.
„KI-Chatbot für Onlinekurse: Mein besonderer KI-Moment“ von Henriette Gladiator
In diesem Beitrag zeigt Henriette, wie sie Online-Kurse neu gedacht hat, um das Lernerlebnis optimal zu gestalten. Ihr KI-Moment war die Erkenntnis, wie hilfreich es doch wäre, wenn im Lernprozess keine Lücken dadurch entstehen, weil Fragen nicht adhoc beantwortet werden können. Und diese Lücke kann mit KI geschlossen werden. Sie beschreibt, wie sie sich durch verschiedene Lösungsansätze hindurch experimentiert hat, um zu der für sie perfekten Lösung zu gelangen.
„Mein KI-Moment: Vom Tool-Hopping zur echten Struktur“ von Stefanie Norden
Stefanie zeigt ihre Reise mit KI, die sie zuerst in die Überforderung führte. Statt ihr Business einfacher zu machen, wurde es komplizierter. Bis die Erkenntnis eintrat, dass KI ohne klare Strukturen und definierte Einsatzmöglichkeiten nicht effizient nutzbar ist. Wie daraus ihr heutiger Umgang mit KI erwachsen ist und welche Tools sie gerne nutzt, auch daran lässt sie teilhaben. Um zum Ende des Artikels auch noch kurz aufzugreifen, was sie sich im Umgang mit KI von sich selbst, der Politik und uns als Gesellschaft wünscht.
„Ein Moment mit KI in meinem Business: KI als Wissensmanagement-Tool“ von Elisabeth Morri (Klio)
Ihren Artikel beginnt Klio mit der Frage, ob unser Business mit KI seine Seele verliert oder ob wir stattdessen neue Freiheiten gewinnen. Als Antwort darauf zeigt sie ihren Moment, als KI in ihrerer Selbständigkeit zu einem mächtigen Werkzeug wurde, das ihr nicht das Denken abgenommen, sondern explizites Wissen strukturiert aufbereitet hat, damit sie es mit ihrem impliziten Wissen anreichern konnte: intutiv, aus Erfahrungen gespeist und menschlich verbindend. Sie zeigt die Vorteile und Gefahren von KI beim Wissensmanagement und gibt Einblicke in die Art, wie sie KI in ihrem Business als Wissensmanagement-Tool einsetzt.
„Kann man KI vertrauen? Meine KI-Momente und was ich daraus gelernt habe“ von Inga-Janine Eichmann
Von zwei eindrücklichen KI-Erfahrungen berichtet Inga, die ihr klar gemacht haben: ja, man kann KI vertrauen, aber niemals blind. Mit Selbsthumor erzählt sie dabei von ihrem Website-Umzug mit KI-Unterstützung, der gründlich in die Hose ging und von der Entwicklung eines Claims, bei dem ihr eigenes Ergebnis das von der KI deutlich übertraf. Das hat für sie gut geschärft, wofür sie KI heute als Werkzeug einsetzt und wofür nicht.
„Momente mit KI und was ich aus ihnen gelernt habe“ von Dorothee Dickmann
In meinem eigenen Beitrag zur Blogparade erzähle ich von mehreren Experimenten mit KI, die mich teilweise verwirrt und tatenlos zurückließen oder mich in einen wahren Umsetzungsrausch bringen konnten. Die zentrale Erkenntnis dabei, das Problem sitzt wie so oft vor dem Computer und ohne Kontext und klare Rollenverteilung läuft nix richtig. Dennoch mache ich mir im Artikel auch Gedanken darüber, was das KI-Experiment mit uns als Gesellschaft macht und welche Gefahren bei KI ich neben aller Effizienz und Leistungsstärke auch sehe.
Die KI im Schreibprozess
Was ich heutzutage beim Lesen von Texten immer überlege: wo und wieviel hat die KI an Texten mitgewirkt? Da läuft bei mir ein automatischer Scan mit. Ist vielleicht eine Art Berufskrankheit, wenn man Online-Redakteurin ist und viel mit Texten zu tun hat.
Ob sich jemand beim Schreiben von KI unterstützen lässt oder nicht, ist natürlich jedem selbst überlassen. Weder verteufle ich es, noch ist es für mich das Nonplusultra.
Ich selbst halte es für mich so, dass ich Blogartikel fast zu 100 Prozent selbst verfasse. Bei Kurzbeschreibungen oder dem ersten Entwurf für einen Newsletter lasse ich mich aber auch gerne unterstützen, weil es oft einfach schneller geht. Doch obwohl Claude auf meinen Stil trainiert ist, übernehme ich auch in diesem Fall nur ganz selten etwas komplett und schärfe immer noch mal nach.
Was ich nicht mag: wenn es Texten anzumerken ist, dass sie KI generiert sind und es jemandem nicht gelungen ist, seinen eigenen Stil in den Text zu bringen. Kurz, wenn es nach KI-Mittelmaß klingt.
Natürlich ist auch beim Lesen der Beiträge, die zur Blogparade eingereicht wurden, mein innerer KI-Scan mitgelaufen. Und es ist zu erwarten, dass bei einem KI-Thema auch KI im Schreibprozess zum Einsatz kommt.
Bei welchen Artikeln mein innerer KI-Scan teilweise angeschlagen hat, behalte ich für mich. Denn darum geht es in dieser Aktion nicht. Ich freue mich wirklich über jeden einzelnen Beitrag, der eingereicht wurde und bin dankbar für die Zeit, die mir ein anderer Menschen damit geschenkt und meine Aktion damit bereichert hat. Schmunzeln musste ich allerdings, als KI offenbar den Titel meiner Blogparade auf kreative Art falsch zitiert hat und das nicht ausgebessert wurde.
Über die Autorin
Dorothee Dickmann, Online-Redakteurin B.A. seit 2009, war freiberuflich für Online-Medien und eine Internetagentur tätig sowie viele Jahre angestellt in der Online-Unternehmenskommunikation im Mittelstand. Heute unterstützt sie als Mentorin für Sichtbarkeit und Content Marketing Selbständige und Freiberufler dabei, Klarheit über ihre Kanäle, Inhalte und Positionierung zu gewinnen und Content Marketing strukturiert umzusetzen.

