Es klingt so gut: ein eigenes Business verspricht selbstbestimmtes Arbeiten, freie Zeiteinteilung, selbst entscheiden, wann, wo und wie man arbeitet, wie viele Tage Urlaub man nimmt…
Ein bisschen Realtalk gefällig?
Die Realität von vielen Soloselbständigen: Dauerhustle, Hektik, Stress und gerne auch mal Existenzangst und Panik.
Freiheit durch ein eigenes Business bedeutet nicht nur, dass ich mir meine Arbeitszeit so gestalten kann, wie ich das möchte, sondern ebenso, dass ich sie aktiv gestalten muss.
Was nichts anderes bedeutet, als dass ich wissen muss, was und wie ich es will. Und an dieser Stelle wird es gerne ungemütlich. Denn das bedeutet wiederum: Eigenverantwortung übernehmen. Entscheidungen treffen. Handeln.
Die Tragweite dessen ist kaum erfassbar, wenn man diese Erfahrung noch nicht selbst gemacht hat.
Die Vorzüge des Daseins als Angestellte
Im Angestelltenverhältnis ist dein Tätigkeitsfeld klar umschrieben. Du wirst selten zur Arbeit gehen und dann erst einmal überlegen müssen, was du als nächstes zu tun hast. Deine Ziele sind von der Chefetage vorgegeben, deine Tätigkeiten in der Stellenbeschreibung festgelegt, deine täglichen Aufgaben überwiegend Routine. Du wirst geführt und dein Alltag hat eine Struktur.
Das Gehalt kommt pünktlich zum Monatsende, inklusive Absicherung durch die Sozialversicherungen und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub. Vielleicht ist das Gehalt weniger, als du dir wünschen würdest, aber es kommt zuverlässig und ist damit planbar. Auch deine Urlaubstage sind klar geregelt und Wochenende ist Wochenende.
Personalunion: die Realität, deine eigene Chefin zu sein
Wenn du dein eigenes Business startest, ist nichts mehr von den Rahmenbedingungen und damit auch Vorzügen des Angestelltendaseins vorhanden. Das gibt dir sehr viel Freiheit in der Gestaltung deines Tagesablaufes und gleichzeitig die Verantwortung, es auch selbst zu tun. Und um das machen zu können, muss man wissen, was man will. Und ganz ehrlich, ich wusste das nicht immer so genau.
Bei mir hat es gedauert, bis ich das wirklich in der Tiefe verstanden habe. Und nicht nur verstanden, sondern es entsprechend in Handlung umgewandelt habe.
Ich möchte einen Tag frei haben? Ich bin die Chefin in meinem Business, dann muss ich mir auch bewusst frei geben. Und das dann auch nehmen können. Mit dem Wissen, dass alle Aufgaben jetzt ruhen werden, weil ich nicht in einem Unternehmen bin, wo eine Kollegin für mich einspringt.
Es geht nicht vorwärts? Dann darf ich mich selbst fragen, ob ich mir selbst ein klares Ziel gesetzt habe. Und auch selbstkritisch durchleuchten, ob ich alles dafür getan habe, um es zu erreichen. Oder mich stattdessen nur mit wildem Aktionismus beschäftigt halte, damit es so aussieht, als würde ich etwas tun, während ich mich eigentlich davor drücke, das zu tun, was jetzt wirklich dran wäre.
Niemand ist da, der mir auf die Finger klopft oder die Aufgaben vorstrukturiert oder in einem Meeting die Proritäten gemeinsam sortiert. Die To-Do-Listen sind endlos, alles schreit dringlich, die Tage werden lang und länger und gleichzeitig schleicht sich das Gefühl ein, dass man immer weniger schafft. Und wenn ich die Abläufe und Vorgehensweisen nicht selbst definiere, dann fehlt es an Struktur und Orientierung.
Als Soloselbständige sind wir alles zugleich in Personalunion: Chefetage, Kundenservice, Buchhaltung, Marketingabteilung, Vertrieb sowie die Expertin und ausführende Kraft für die Produktion oder Dienstleistung, je nachdem, was das Angebot ist. Und zwischen all diesen Bereichen müssen wir jonglieren, priorisieren oder auch an extern delegieren.
Was trägt dich von innen heraus?
Wer ein eigenes Business nur mit dem Wunsch startet, frei sein zu wollen, wird sich schneller im Hamsterrad und Chaos wiederfinden, als er bis drei zählen kann.
Was ich damit sagen will: eine oberflächlich formulierte Vision wie “Ich will ein eigenes Business, um frei zu sein”, wird dich nicht durch die Täler tragen, die eine Selbständigkeit mit sich bringt. Mache dir wirklich klar, wofür du losgehen willst. Und dann:
✅ Schaffe dir Strukturen, die dir durch den Alltag helfen.
✅ Lasse dich unterstützen, wenn du etwas nicht selbst kannst oder lerne es.
✅ Baue dir ein Netzwerk mit anderen Selbständigen auf, denn deine angestellten Freunde werden dir an vielen Stellen nicht weiterhelfen können und deine Probleme nicht verstehen.
Es braucht eine starke Vision, ein klares Warum und Wofür, damit du an den Herausforderungen einer Selbständigkeit wächst und nicht daran zerbrichst.
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Mein Alltag als Selbständige
Und wie sieht das mit dem selbstbestimmten Arbeiten bei mir konkret aus? Hier gebe ich dir noch ein wenig mehr ungeschminkten Einblick: ich glaube, ich hatte noch nie so wenig wirklichen Urlaub, wie seit meiner Zeit als Selbständige. Aber tatsächlich stört mich das gar nicht. Denn ich liebe was ich tue und kann mich den ganzen Tag damit beschäftigen.
Gleichzeitig erlaube ich es mir morgens länger zu schlafen. Ich stehe selten vor acht Uhr auf und starte dann entspannt in den Tag. Meine Kundentermine vergebe ich nach Möglichkeit nicht vor zehn Uhr.
Ganz abschalten lässt sich mein schlechtes Gewissen immer noch nicht, dass meine Nachbarn alle früher raus müssen und ich noch liegenbleiben kann. Zu tief sitzt wohl noch der Glaube “an den frühen Vogel, der den Wurm fängt”.
Dafür sitze ich aber regelmäßig abends erneut am Schreibtisch, weil ich oft nochmal einen Motivationsschub bekomme. Insbesondere Blogartikel entstehen gerne in den Abendstunden.
Wochenende ist bei mir Wochenende. Da gestehe ich mir freie Zeit zum Nichtstun zu oder mache Haushalt, der unter der Woche liegen geblieben ist. Dennoch mache ich hauptsächlich “Business”. Nicht nur mit Taten, sondern auch innerlich, in meinen Gedanken, mit meinem Fokus. Daneben gibt es gerade nicht sehr viel. Und das ist für mich total ok.
Selbständigkeit als Booster für Persönlichkeitsentwicklung
Wenn du überlegst, dich selbständig zu machen, dann sei dir gewahr: Selbständigkeit ist ein Booster in Sachen Persönlichkeitsentwicklung und kein gemütlicher Sonntagsspaziergang. Dir wird alles abverlangt werden. Oder wie meine Business Mentorin letztens noch meinte: Diamanten entstehen unter Druck.
Du kannst unfassbar viel lernen, Hürden meistern und Erfahrungen machen, aber es wird nicht immer ein Zuckerschlecken sein.
Bist du bereit, streckenweise zu verzichten (z.B. auf Urlaub, planbares Einkommen…) und zwischendurch Vollgas zu geben, ohne geregelte Arbeitszeiten?
Dafür bist du ohne Chefetage über dir, und agierst nach Regeln, die du selbst aufstellst. Trägst aber auch das volle Risiko.
Ich verstehe jeden, dem das zu anstrengend ist. Vorhersehbarkeit, Planbarkeit und äußere Struktur können hilfreich sein und sind vor allem eins: bequem. Es gibt sie immer wieder, diese Tage an denen ich denke, wie angenehm eine Anstellung doch wäre.
Würde ich deswegen dauerhaft zurück in ein Angestelltenverhältnis wollen? Meine Antwort ist klar: Nein. Ich kenne beide Arbeitsformen von innen. Und mein Herz bleibt ein Freigeist und sehnt sich danach, selbst etwas aufzubauen.
Wie ist das bei dir? Welche Freiheiten nimmst du dir als Selbständige und was lässt dich dranbleiben? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

